Wenn Sie auf "Alle Cookies akzeptieren" klicken, stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu, um die Navigation auf der Website zu verbessern, die Nutzung der Website zu analysieren und unsere Marketingaktivitäten zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.
Bibelthema
15.1.2026
3 min
Überwallend oder überragend?
Bildunterschrift: Text hier

Beim Lesen des Segens Jakobs in 1. Mose 49 fiel mir ein interessanter Gegensatz auf: Die Aussprüche Jakobs über seine 12 Söhne, die er auf seinem Sterbebett verkündet, beinhalten neben prophetischen Aussagen über die zukünftigen Stämme markante Charakterbeschreibungen der betreffenden Söhne. Über Ruben, seinen erstgeborenen Sohn, sagt Jakob in erstaunlich klaren und scharfen Worten:

Du bist übergewallt wie das Wasser, du sollst keinen Vorrang haben, denn du hast das Lager deines Vaters bestiegen; da hast du es entweiht. Mein Bett hat er bestiegen!

— 1Mo 49,4

Jakob vergleicht Ruben hier mit Wasser, das über seine Grenzen tritt. Damit spielt er auf Rubens sexuelles Vergehen an, als er mit Bilha, der Nebenfrau seines Vaters, ins Bett gegangen war (1Mo 35,22). Große Wasser können unglaublich viel Freude bereiten – jeder, der schon am Meer im Urlaub war, weiß das. Bedrohlich wird es, wenn Wasser über die Ufer tritt, wie es bei Flutkatastrophen der Fall ist. Wenn das Meer die Grenzen, die Gott ihm gesetzt hat (Spr 8,29), nicht einhält, die Küste flutet und sogar Teile davon wegspült, ist das verheerend. Ein solches überwallendes Verhalten kennzeichnete Ruben. Er blieb nicht innerhalb der guten Grenzen Gottes, was verheerende Folgen hatte und ihn das Erstgeburtsrecht kostete. Gott hat uns Grenzen gesetzt, die wir nicht überschreiten sollen, besonders auf sexuellem Gebiet. Vor einer solchen Grenzüberschreitung warnt Paulus ausdrücklich:

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr euch der Unzucht enthaltet; […] dass niemand zu weit geht (RELB: dass er sich keine Übergriffe erlaubt) und seinen Bruder in dieser Angelegenheit übervorteilt; denn der Herr ist ein Rächer für alle diese Dinge.

— 1⁠Thess 4,3ff

Im Gegensatz zu Ruben steht Josef, der Gottes Grenzen achtete und respektierte. Als die Frau Potiphars täglich auf ihn einredete und ihn zum Grenzübertritt überreden wollte, sagte er:

Siehe, mein Herr verlässt sich auf mich und kümmert sich um nichts, was im Haus vorgeht, und hat alles in meine Hand gegeben, was ihm gehört; 9 es ist niemand größer in diesem Haus als ich, und es gibt nichts, das er mir vorenthalten hätte, ausgenommen dich, weil du seine Frau bist! Wie sollte ich nun eine so große Missetat begehen und gegen Gott sündigen?

— 1Mo 39,8f

Gerade im Gegensatz zu Ruben, der sich in dieser Hinsicht nicht im Griff hatte, ist Josefs Disziplin in dieser Situation erstaunlich.

Faszinierend finde ich, was Jakob in seinem Segen über Josef sagt:

Joseph ist ein junger Fruchtbaum, ein junger Fruchtbaum an der Quelle; seine Zweige klettern über die Mauer hinaus.

— 1Mo 49,22

Jakob vergleicht Josef mit einem Fruchtbaum, dessen Zweige über die Mauer ragen. Ist das nicht auch ein Grenzübertritt? Ja, aber kein destruktiver, sondern ein segensreicher Grenzübertritt. Ein überragend schönes Bild, oder? Ein Baum, dessen Zweige über die Mauer ragen, ist nicht nur für den Grundstücksbesitzer, sondern sogar für die Nachbarn zum Nutzen. Das kennzeichnete Josefs Leben: von seiner Weitsicht und Besonnenheit im Umgang mit der Hungersnot profitierten nicht nur er selbst und seine Familie, nein, er wurde dem ganzen Land Ägypten, ja sogar der ganzen Welt zum Segen (1Mo 41,57).

Das wünscht sich Gott von uns, dass wir nicht nur unser eigenes kleines Leben im Blick haben, sondern für viele zum Segen sind. Dass unser Wirkungskreis nicht auf unsere engen Grenzen beschränkt bleibt, sondern weit darüber hinaus geht. Denn die Liebe Gottes, die wir weitergeben dürfen, kennt keine Grenzen. Und das Evangelium sollen wir über alle Grenzen hinweg verkünden „bis an die Enden der Erde“. Ein wahrhaft grenzüberschreitender Auftrag.

Ich wünsche dir, dass du nicht überwallend bist wie Ruben und Gottes gute Grenzen achtest und genauso wie Josef weit über die Grenzen deines eigenen Lebens hinaus für andere zum Segen bist.

William Kaal
This is some text inside of a div block.
Diesen Artikel teilen